Sonntag, 20. Oktober 2013

1869 - Wurstkuchl, in Regensburg in seiner Vergangenheit und Gegenwart: mit vielen Holzschnitten ... - Hugo von Walderdorff - Google Books

Regensburg in seiner Vergangenheit und Gegenwart: mit vielen Holzschnitten ... - Hugo von Walderdorff - Google Books 1869

21. Die Wurstküche (Wurstkuchel) (F. 92) in der Nähe des ehemaligen Kräncherthores, ist eine berühmte Specialität Regensburgs; dort werden Vormittags von Hoch und Niedrig in einer kleinen rauchigen Hütte die weltbekannten Regensburger Bratwürste oder Selchfleisch mit Kraut, meist stehend, verzehrt. Diese Hütte lehnt sich an den letzten Rest der alten Stadtmauer, östlich der steinernen Brücke. Während die ganze Mauer fallen musste konnte es bisher nicht gelingen die Wurstküche von hier zu entfernen. Man sagt sprichwörtlich von diesem Wahrzeichen: „Wer nicht in der Wurstkuchel war, war nicht in Regensburg."

1869 - Clericalseminar im Obermünster - Regensburg in seiner Vergangenheit und Gegenwart: mit vielen Holzschnitten ... - Hugo von Walderdorff - Google Books

Regensburg in seiner Vergangenheit und Gegenwart: mit vielen Holzschnitten ... - Hugo von Walderdorff - Google Books, 1869,

16. Das Clerikalseminar zum hl. "Wolfgang.
Das Clerikalseminar zum heiligen Wolfgang, ist im früheren Damenstift Obermü'nster (E. 185) untergebracht. (Vergleiche oben bei
*) Vergleiche auch Schuegraf „Lebensgesehichtliche Nachrichten über den Maler und Bürger Michael Ostendorfer" in Verhandlungen des historischen Vereins für Oberpfalz u. Regensburg. XIV. 1—76.
den Kirchen den Artikel Obermünster.) — Es befindet sich erst seit dem Jahre 1823 hier, in welchem Jahre es den Bemühungen des unermüdlichen seligen Regens Wittmann gelang, das Gebäude dauernd für diesen Zweck zu erhalten.
Der erste Anfang zur Gründung eines Klerikalseminares nach den Satzungen des Tridentiner Conciliums wurde hier i. J. 1650 gemacht, und zwar unter dem Kardinale und Bischofe von Regensburg Franz Wilhelm Grafen v. Warttemberg, auf Anregung und unter Mitwirkung des seligen Bartholomäus Holzhauser. Zur Stiftung wurde damals die Pfarre von St Ulrich verwendet; doch hatte diese erste Einrichtung keinen dauernden Bestand. Seit dieser Zeit wurden jedoch immer einige Seminaristen erzogen, für deren Unterhalt nach und nach durch Legate und verschiedene Stiftungen Vorsorge getroffen war. Erst in den Jahren 1786 —1788 erfolgte eine neue Reorganisation und Stiftung unter dem Bischofe Iguaz Grafen v. Fugger; das Seminarium, das bisher im ehemaligen Augsburgerhofe, jetzigem königlichen Rentamtsgebäude (E. 77.), am St. Kassiansplatze, untergebracht war, wurde um 1787 in das ehemalige Jesuiten-Collegium nach St. Paul verlegt, wo auch die bischöflichen StudienAnstalten waren. Damals betrug die Anzahl der Seminaristen 40. Als hierauf i. J. 1809 das Collegium abbrannte, mussten sich die Seminaristen theils in St. Emmeram, theils in Niedermünster aufhalten; ja als Regensburg 1810 bayrisch wurde, lief das Seminar Gefahr, gleich jenen anderer Diöcesen ganz einzugehen, und nur der unermüdlichen Thätigkeit und Aufopferung des seligen Regens Wittmann wurde es möglich, dasselbe zu erhalten und endlich in Obermünster unterzubringen. Wittmann wurde bekanntlich 1832 Bischof von Regensburg, starb aber schon 1833, ehe die päpstliche Bestätigung angelangt war. Regens war er fast ein halbes Jahrhundert gewesen. Das Andenken des apostolischen Mannes, der im Leben sich bei allen Schichten der Bevölkerung ungemeiner Popularität erfreute, lebt noch ungeschwächt fort, und noch immer sieht man sein Grab, im Chore des linken Nebenschiffes im Dome, mit frischen Blumen bekränzt.
Das Clerikalseminar steht unter einem Regens und Subregens; die Alumnen des letzten Kurses haben eigene Vorlesungen im Seminar, die übrigen Alumnen besuchen die Vorlesungen am königl. Lyceum.
17. Das protestantische Pfarrhaus.
Das protestantische Pfarrhaus der unteren Stadt (E. 136.), liegt in der von Obermünster auf den Neupfarrplatz führenden Buchfelderoder Pfarrerstrasse, welche früher auch Schreinergasse hiess. Dies Haus gehörte ehemals der angesehenen Familie der Lamprechtshauser, und wurde 1553 von der Gemeinde als Pfarrhaus angekauft.
Dasselbe hat eine Gedenktafel zur Erinnerung an den grossen Naturforscher und Akademiker Dr. Jakob Christian Schäffer, welcher dahier Pastor und Superintendent war und den 5. Januar 1790 starb. Er war der mütterliche Grossoheim des hier lebenden, ebenso berühmten Naturforschers und namentlich Lepidopterologen, Dr. Herrich-Schäffer.

1869 - Theater - in Regensburg in seiner Vergangenheit und Gegenwart: mit vielen Holzschnitten ... - Hugo von Walderdorff - Google Books

Regensburg in seiner Vergangenheit und Gegenwart: mit vielen Holzschnitten ... - Hugo von Walderdorff - Google Books 1869 Walderdorff, Hugo von


zwischen Seite 111 und 115

Vorbemerkung: betrifft das heutige Theater am Bismarckplatz


5 Das neue Haus.
Das „Neue Haus," (B. 4) zwischen dem obern und demuntern Jakobsplatz. In frühester Zeit hiess dieser Platz, der schon vor der Neustadt lag, die „Wehr vor Burg"; später entstand hier das städtische Zeughaus. Hier waren auch die Tändlerläden („der Tandelmarkt vor Burch" (1381). Im Jahre 1804 wurde das Zeughaus demolirt, (wobei leider die kostbaren Waffenschätze verschleudert wurden) und das jetzige „Neue Haus" an seiner Stelle erbaut. Es enthält das Theater, grosse Säle für Concerte etc. und Locale für Privatgesellschaften (Resources — Auch früher wurde das Zeughaus gelegenheitlich zu Festen verwendet.
Das Neue Haus brannte 1849 nieder und wurde hierauf neu aufgebaut.

1869 - Das Rathaus - Regensburg in seiner Vergangenheit und Gegenwart: mit vielen Holzschnitten ... - Hugo von Walderdorff - Google Books

Regensburg in seiner Vergangenheit und Gegenwart: mit vielen Holzschnitten ... - Hugo von Walderdorff - Google Books 1869 Walderdorff

1. Das BathhauB.

Unter den öffentlichen Gebäuden, nimmt das RathhailS den ersten Platz ein. Ebenso merkwürdig als Bau, wie berühmt durch seine Geschichte, behauptet es eine der vornehmsten Stellen unter den Rathhäusern Deutschlands.
Bevor dahier das ehemalige Ding- oder Gemeinhaus gebaut war, begegnet uns an dieser Stelle die Ahakirche (Wasserkirche.) Im Jahre 1002, spricht eine Urkunde von einem Markte der neben der Ahakirche lag; die Kirche war also wahrscheinlich zum Gottesdienst für die Marktleute bestimmt. Sie war dem heil. Bartholomäus gewidmet, daher wurde sie bis zu ihrer Säkularisation im Jahre 1559 auch Bartholomäuskapelle genannt. Sie war reich dotirt und hatte einen eignen Kaplan, welcher, so oft die Rathsherrn Rath hielten, denselben die Messe lesen musste. Die Kapelle lag im jetzigen Rathhausthurme, vor dem Sitzungszimmer, wo man noch die Jahrzahl 1481 sehen kann (bei Thüre 42).
Das Rathhäus besteht aus dem alten (westlichen) und neuen (östlichen) Theile. Ueber die Erbauung des ältern Theiles ist urkundlich nichts bekannt, doch findet man auf einzelnen Quadern Steinmetzzeichen, welche darthun, dass es von den Werkleuten des Domes etwa zwischen 1320—1330 aufgeführt wurde. Der grosse Rathsaal (Reichssaal) wurde erst 1408 vollendet. In den einstöckigen Bau*) führt ein herrliches Portal, über welchem links und rechts zwei Halbfiguren wohl auf Schutz und Trutz der Reichsstadt hindeuten. Die Treppe ist mit Brüstungen von Maasswerk geziert. Der Saal selbst hat reiche Vierecksfenster und besonders einen zierlich gethürmelten Erker.
Das neue Rathhaus wurde grösstentheils erst nach 1660 erbaut, und erst 1721 vollendet; es beginnt bei dem jetzigen Rathhausthurme. Eine der grössten Zierden der Stadt, der sogenannte Marktthurm, welcher an der östlichen Ecke des neuen Rathhauses stand, gerieth den 26. Juli 1706 durch Nachlässigkeit des Thürmers in Brand; er hatte eine sehr künstliche Uhr und war zierlich bemalt. — Von den Malereien, womit Bocksberger im 16. Jahrhundert das alte Rathhaus geziert hatte, ist

wenig mehr zu sehen; dein Vernehmen nach trägt sich der Magistrat mit dem Gedanken, dieselben wieder herstellen zu lassen. Unter dem Erker wurde im Jahre 1506 das sogenannte Narrenhäuschen, eine Art eiserner Käfig, erbaut, in welches nächtliche Ruhestörer und dergleichen gesperrt wurden. Erst 1810 wurde es wieder abgebrochen.
Betritt man durch das schon geschilderte Portal das Rathhausso gelangt man zuerst oberhalb der Stiege auf einen Vorplatz, dessen Pflaster einen Reichsadler in Mosaikarbeit zeigt. - Links öffnet sich die Thüre in den:
a) Grossen Reichssaal. Zu Zeiten des beständigen Reichstages (1663 —1806) wurde er der Re- und Correlati onssaal genannt. Er hat zwei grosse Fenster gegen Süden, mit einigen in Glas gemalten Wappen, gegen Ost zwei kleinere oben, und unten in Höhe des zierlich gewölbten Erkers die Reihe • der schon bei der Betrachtung von Aussen erwähnten Vierecksfenster.'
Die prächtige Holzdecke durchzieht ein fester Balken, auf welchem ein schönes Bild des hl. Petrus angebracht ist.
An der südlichen Wand, etwas erhöht, steht ein alter geschnitzter, mit gepresstem Leder und mit Messingnägeln beschlagener Stuhl, mit der Jahrzahl 1671, welchen Fremde manchmal für den ehemaligen Thron des Kaisers ansehen. Es braucht wohl nicht erwähnt zu werden, dass diese Meinung irrig ist; er ist ein ganz gewöhnlicher Sessel, deren früher noch mehrere vorhanden gewesen, und für die Sekretäre des fürstlichen Collegiums bestimmt waren. ,
In der nordwestlichen Ecke eine Empore von Holz für die Musik, deren Brustwehren mit Blendmasswerk verziert sind.
Dieser Saal ist reich an geschichtlichen Erinnerungen, denn hier wurden durch beinahe ein halbes Jahrtausend unter dem Vorsitze so vieler Kaiser die Reichstage gehalten.
An Karl V. und Kaiser Mathias erinnern zwei Glasgemälde mit ihren Wappen.
b) Die Thüre unter der Empore führt in das ehemalige fürstliche Nebenzimmer, welches mit einfacher Holzdecke versehen ist, die von einem Holzpfeiler gestützt wird. Hier steht statt des Tisches, um welchen die Gesandten der Churfürsten des Reiches einst sassen, jetzt ein alter Rechentisch. Der ehemalige Sitzungstisch steht nunmehr in der Modellkammer.
Ausserdem wird da aufbewahrt: 1. Der Baldachin mit dem kaiserl.- Wappen auf gelbem Seidendamast erhaben gestickt, unter welchem Kaiser Mathias 1613 seinen Einzug in Regensburg hielt.
2. Die Fahnen, welche unter Bernhard von Weimar (1633) für die hiesige • Bürgermiliz gefertigt wurden.
3. Drei alte Ansichten von Regensburg (von Friedrich Schmieder 1725).
4. Zahlreiche Porträte angesehener Bürger mit ihren Gemahlinen, Geist
licher u. s. w., der Reichsstadt.
5. Das Porträt des Pfalzgrafen Johann, Administrators der Diöcese Re
gensburg (f 1538), gemalt von Behaim i. J. 1515; hieher gestiftet von der kunstsinnigen Familie Kränner.
c) Von der Empore des Reichssaales führt eine Thüre in die jetzige Modellkammer (früher das reichsstädtische Collegium).
Dieses Zimmer hat ebenfalls eine einfache Holzdecke und in den Fensterbrüstungen noch Spuren altdeutscher Verzierungen.
Hier werden die Modelle vieler öffentlichen Gebäude u. andere ehemalige Meisterstücke aufbewahrt. Z. B. das Modell des Portals von St. Jakob, in Speckstein, der Säule vor dem Jakobsthor, der Predigersäule und des Portales am Rathhause von dem noch in Regensburg lebenden Bildhauer Anton Puchner. Ferner das Modell der steinernen Brücke mit den früheren Thürmen (von 1724); die Modelle der Dreieinigkeitskirche und der neuen Pfarre, des Weih- St. PeterThor es, ehe der Thurm verkleinert war u. s. w. Im Ganzen werden gegen 100 Modelle aufbewahrt.
d) In das ehemalige Fürstencollegium gelangt man aus dem Reichssaale über einen kleinen offenen Gang. Dieser Saal hat eine prachtvolle kassetirte Decke von dunkelm Holz und ist mit ebenso seltenen, als schönen Tapeten aus dem 14., 15. und 16. Jahrhundert behangen.
1. Der älteste Teppich stellt in 24 Medaillons mit Umschriften - je
4 in einer Reihe — verschiedene Scenen aus dem Minneleben dar, z. B. Tristan und Isolde, welche in der Quelle das Antlitz des Königs sehen u. s. w. Die Zwischenräume der Medaillons sind theils mit Ornamenten, theils mit phantastischen Figuren ausgefüllt; um das Ganze zieht sich eine reiche Bordüre, meist Liebespaare mit Spruchbändern unter Baldachinen darstellend. In den vier Ecken wechseln heraldische Adler und Löwen. Der Teppich ist aus freier Hand auf Rupfleinwand gestickt. Leider ist derselbe ausserordentlich beschädigt; früher war er von Heideloff zu dekorativen Zwecken verschnitten worden! und als er vor einigen Jahren gewaschen und reparirt wurde, litt er noch mehr Schaden.
2. Der zweitälteste Teppich, aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts,
stellt Frau Venus im Hörseiberge dar, wie sie, umgeben von ihrem Hofstaate, den Thannhäuser empfängt. Der untere Theil, welcher den treuen Eckard darstellt, kam leider (!) vor einigen Jahren in das ^ationalmuseum nach München.
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3. Der dritte, ebenfalls aus dem 15. Jahrhundert, stellt den Kampf der
sieben Todsünden mit den entgegengesetzten Tugenden dar; die Laster reiten auf bezeichnenden Thieren, die Tugenden erscheinen als weibliche Gestalten.
4. Auf dem vierten Teppiche erblicken wir Scenen aus dem Leben der
„wilden Leute" oder Waldmenschen, von denen das Mittelalter . die tiefen Forste bewohnt glaubte. In den Ecken erblicken wir das Wappen der von Stein (in Schwaben) u. der Rüdt von Colmberg (oder Wembdingen). Die 2 Stücke dieses Teppichs wurden bei der Reparatur verkehrt aneinander genäht; dasselbe geschah auch bei Nro. 3.
5. Ein fernerer Teppich zeigt uns Jagd - Scenen; Reiter und Pferde in
Lebensgrösse; die Damen mit hohen Hauben (hennins); aus dem 15. Jahrhundert.
6. Endlich einige Darstellungen aus der Geschichte des Aeneas u. s. w.
aus späterer Zeit.
Dieser Saal wurde bis zum Jahre 1861 zu den Ziehungen der Lotterie verwendet. /
Kehren wir durch den Reichssaal zurück und begeben uns über die Vorhalle nach rechts, so gelangen wir zuerst in das:
e) ehemalige Churfürstliche Collegium; als noch die Churfürsten und ihre Gesandten hier tagten, war dies Gemach mit reichen Tapeten behangen und trug eine einfache Holzdecke; gegenwärtig hat es ein ganz gewöhnliches Ansehen und dient für die Sitzungen der GemeindeBevollmächtigten.
f) Das anstossende Zimmer (ehemals das Churfürstliche Deputations- oder Nebenzimmer (jetzt Sitzungssaal des Magistrates) ist ein wahres Kleinod von Holztäfelung im Renaissance-Geschmack (1551); die Decke besteht aus einer prachtvollen Cassetirung, die Wände sind durch Säulen geschmackvoll in .Felder getheilt, und auch die Thüren mit ihrem Vorbaue entsprechen vollkommen dem Style des Ganzen. Das Zimmer ist um so werthvoller als das Material durchweg aus dem so geschätzten ungarischen Eschenholze besteht. Ein kostbarer Kronleuchter von Messing befindet sich hier; derselbe ist aber bedeutend älter als das Zimmer und zeigt rein gothische Formen.
In der Ecke steht ein eingelegter Schrank in demselben Style, wie die Wandtäfelungen.
Ein Glasgemälde mit der Jahreszahl 1546 und dem kaiserl. Wappen erinnert an Karl V. und an den denkwürdigen Reichstag im genannten Jahre.
Auch das neue Rathhaus ist reich an geschmackvollem Holzgetäfel, welches sich noch in vielen Räumen desselben befindet.
g) Die Folterkammer liegt in den Gewölben zu ebener Erde. Sie ist ziemlich mit Marterwerkzeugen versehen. Man sieht dort „den gespickten Hasen", die „Streckbank", die „schlimme Liesel", den „Jungfrauenschoos", die „Rutschbahn" und den „spanischen Esel". Vor dieser Kammer des Elends und der Pein zeigt man den Fremden zwei furchtbare Verliesse; der geschäftige Cicerone ermangelt selten zu versichern, dass in einem derselben der schon oben erwähnte kais. General Freiherr v. Schaffgotsch vor seiner Hinrichtung eingekerkert war, allein das ist eine Fabel; derselbe befand sich vielmehr wahrscheinlich im obern Stock in dem jetzigen Bureau des Aufschlagamtes.
In einem Gewölbe des Rathhauses befinden sich die Kanonen der vormaligen Bürgerartillerie, worunter mehrere Meisterwerke von Regensburgor Geschützgiessern des 16. u. 17. Jahrhunderts Beachtung verdienen.
2. Das Bibliothekgebäude. (B. 61.)
Dieses mit einem Thurme versehene, sehr geräumige Gebäude gehörte einstens dem angesehenen Bürgergeschlechte der Altmann.*) im Jahre 1441 erkaufte es Kammerer und Rath und verlegte hieher die Stadtwage, da die „alte Wag-4 am Römlmg zu weit entlegen war; es hiess daher nun die „neue Wag". Das Gebäude musste zugleich als „der Herrn Trinkstube" Dienste thun, indem grosse Gastmäler, Hochzeiten und Tänze hier gehalten wurden. Im Jahre 1541 fand daselbst im Auftrage des Kaisers Karl V. das bekannte Religionsgespräch zwischen den Katholiken (Dr. J. Eck) und den Protestanten (Melanchthon) statt. Die reichsstädtische Bibliothek wurde unter die sehenswürdigen Bibliotheken Deutschlands gerechnet. Als Regensburg unter bayerische Herrschaft kam, wurde ein Theil der Bibliotheken der aufgehobenen Klöster mit ihr vereinigt. Die kostbarsten Bücher und Manuscripte kamen jedoch nach München; ja die Bibliothek musste im J. 1862 noch eine weitere Beeinträchtigung zu Gunsten des Nationalmuseums in München über sich ergehen lassen, indem eine merkwürdige genuesische Seekarte, 4 Portraite pfälzischer Fürsten von Altdorffer und mehreres andere in letzteres versetzt wurden. Indess hat die Bibliothek noch manche Seltenheiten. Unica sind z.B. einige slavische Werke, nämlich: die Postillen des Johann Brenz übersetzt von A. Dalmatin und Stephan Istrianin aus dem Lateinischen in das Croatische (Regensburg bei Joh. Burger 1568), nebst Ausgaben in cyrillischer und glagolitischer Schrift. Ausserdem sind eine handschriftliche Sammlung von alten deutschen (Meister-)
*) Die Altmänner schrieben sich von Edelhausen, RegendorT, Vilswflrth und von Winzer.
Gedichten, — eine deutsche Bibe 1 von 1466, — ein Leben der Väter ohne Titel,— des Mathäus Roritzer Büchlein „von der Fialengerechtigkeit" — eine Bibel mit Autograph von Luther und mehrere Werke mit eigenhändigen Dedikationen von Kepler, hier besonders hervorzuheben. Die Bibliothek hat, die Brochüren eingerechnet, 30,000 Bände, darunter 1500 juridische Dissertationen, 437 Handschriften, 620 Incunabeln und 4000 Karten. Siebenzehn Fachcataloge erleichtern das Auffinden der gewünschten Bücher.
NB. Die Bibliothek.ist in der Regel Dienstag und Donnerstag Nachmittags von 2 — 4 Uhr dem Besuche geöffnet.
3. Das sogenannte Thon-Dittmer-Haus. (D. 93 u. 94.)
Dieses Haus gehört seit dem Jahr 1856 der Commune und sind in demselben verschiedene Anstalten untergebracht als: das Realgymnasium, die Gewerbschule, der historische Verein, die botanische Gesellschaft und der zoologisch-mineralogische Verein, der Kunstverein, der Gewerbeverein u. s. w.
In seiner jetzigen Gestalt wurde das Gebäude im Jahre 1809 vom Hofkammerrath v. Dittmer, an der Stelle der ehemaligen Schwäbischen (dann Erlbeck'schen) und Alkofer'schen Behausungen, erbaut; nach seinem Tode ging es auf die Familie von Thon über, welche den Namen des Erblassers mit dem ihrigen vereinigte, daher die Benennung. Im Schwäbel'schen Hause hatte 1532 während des Reichstages der römische König Ferdinand I.' gewohnt; ferner 1635 der kais. General Frhr. Hans Ulrich Schaffgotsch als Gefangener*); später stiegen hier ab: 1799 der russische Feldmarschall Suwarow, 1800 die französischen Generäle Grenier, Moreau und Sauham, 1809 die franz. Generäle St. Hilaire, Morand und der Herzog von Montebello (Marschall Laimes), 1812 der bayrische General Graf Deroy, der dann in Russland fiel, 1813 der König von Sachsen mit seiner Familie. ,
Die Sammlungendes zoologisch-miner al ogischen Vereines befinden sich im 3. Stock, und stehen von Mai bis Ende October an dem ersten und dritten Sonntage jeden Monats von 10 Va—12 Uhr dem Besuche offen.
Die Sammlungen des historischen Vereines sind theils im zweiten Stocke, theils zu ebner Erde in der ehemaligen Sigismunds Kapelle untergebracht. — Letzteres Local enthält die Alterthümer von grösserem Umfange aus Stein, namentlich die hier gefundenen römischen Skulpturen, Inschriften und Sarkophage, worunter auch altchristliche;
*) Auf der Haid vor diesem Hause wurde er bekanntlich hingerichtet; sein Leichnam war hierauf im Hause zum ..Krebs" im Krebsgässehen (B. 37.) ausgestellt, ehe er auf dem Friedhofe der Dreieinigkeits-Kirche beerdigt wurde.
2 Steinbüsten aus dem frühen Mittelalter; romanische Capitale, alte Gewölbschlusssteine mit Wappen, Grabsteine u. s. w.; vor allem aber zeichnet sich das alte steinerne Astrolab aus dem Conventgarten von St. Emmeram aus; es soll von dem Prior Wilhelm von St. Emmeram (nachmaligem Abte von Hirschau in Schwaben, (1069) ungefähr um 1055 verfertigt worden sein.
Die obern Räume enthalten die Bibliothek, das Archiv, und die verschiedenen Kunst- und Alterthumssammlungen des Vereines. Die Sammlungen besitzen vorchristliche Broncegegenstände, römische Zieg*el, Urnen, Anticaglien und Münzen, welche theils in Regensburg, theils in der Oberpfalz gefunden wurden, und manche andere werthvolle Gegenstände.
Unter den Gemälden sind mehrere bedeutende Bilder. Ein grosser Flügelaltar wird Wohlgemuth zugeschrieben; von Altdorffer, uns*erm hiesigen Altmeister, ist wahrscheinlich Betsabe im Bade; von Michael Osten dorffer, welcher von 1519—1559 dahier malte, findet man den schönen Flügelaltar, der früher in der Neupfarrkirche stand, und ein
höchst interessantes männliches Porträt, beide mit Monogramm
nebst einigen Bildern ohne sein Zeichen. Ein „Ecce homo" wird mit grosser Wahrscheinlichkeit für Lucas Kranach vindicirt. — Ferner besitzt der Verein noch Bilder von einer Anzahl anderer tüchtiger Meister und eine Menge Porträts theils von fürstlichen Personen, theils von Bewohnern Regensburgs.
Eine Skizze zu einem Glasgemälde von Bruder Otto dem Greslin (1333) auf Wollpapier ist das merkwürdigste Stück aus der Sammlung der Handzeichnungen, Holzschnitte und Kupferstiche.
Die Sammlung von Münzen, Siegeln, Waffen, mittelalterlichen Schmuckgegenständen u. s. w. einzeln zu beschreiben, würde zu weit führen.
Fremde, welche den hist. Verein zu besehen wünschen, wollen sich an den Vereinsdiener wenden. In der Regel sind . die Räume Mittwoch und Samstag Nachmittags von 2 Uhr an geöffnet.
Der Kunstverein hat keine Sammlungen; veranstaltet aber in der Regel jeden Monat eine Ausstellung der eingesendeten Bilder. Fremde können durch einheimische Mitglieder eingeführt werden.
Von der Haid gelangt man durch die „Ludwigsstrasse" auf den untern Jakobsplatz, der laut Beschluss des Magistrates in Zukunft „ Arnulfsplatz" heissen soll.

1869 - Schottenkirche - in Regensburg in seiner Vergangenheit und Gegenwart: mit vielen Holzschnitten ... - Hugo von Walderdorff - Google Books

Regensburg in seiner Vergangenheit und Gegenwart: mit vielen Holzschnitten ... - Hugo von Walderdorff - Google Books 1869 Hugo von Walderdorff

16. Die Schottenkirche zu St. Jacob.
Den bewunderten Glanzpunkt der romanischen Bauten Regensburgs bildet die Schottenkirche zu St. Jakob.
Der erste' Schotte oder Ire, welcher sich hier niedergelassen, war der oben bei Obennünster erwähnte Mercherdachus. Bald nachher, etwa um 1068, kam Marianus mit seinen Gefährten nach Regensburg; obgleich er eigentlich nach Rom reisen wollte, so sah er sich doch bewogen, hier zu bleiben. Die Abtissin W i 1 a von Obermünster räumte ihm das Kirchlein zu Weih- St. Peter, südlich vor der Stadt gelegen, ein; dort liess er sich nieder und baute ein Kloster. Er und seine Gefährten beschäftigten sich hauptsächlich mit Abschreiben von Büchern; in der Münchner Bibliothek befindet sich noch ein Codex aus Niedermünster, den er eigenhändig geschrieben; erst in jüngster Zeit verschwand sein Gegenstück, welches sich zu St. Jakob noch erhalten hatte; auch mögen noch manche der alten Codices von Regensburg von der Hand der schottischen Mönche geschrieben sein. Da jedoch jene Kirche baufällig und zu klein war, auch das Kloster keinen Platz für die vielen Mönche mehr gewährte, so schenkten die Burggrafen Otto und Heinrich von Regensburg den Schotten vor dem westlichen Ende der Stadt i. J. 1009 einen Hof; zahlreiche andere Wohlthäter schlossen sich an, und so wurde 1111 mit dem Baue der neuen Kirche zu St. Jakob begonnen, welche 1120 von Bischof Hartwich eingeweiht wurde. Dieser erste Bau war aber weder schön noch solid; daher sammelte Abt Christian in Irland und Rom, wohin er pilgerte, neue Gaben, erhielt dort 200 Mark und auch in Regensburg viele Geschenke. Sein Nachfolger, Gregor, konnte nun (1148—1157) den alten eilfertigen Bau abbrechen, mit Ausnahme der Thürme, und einen neuen beginnen. Er war von Hausteinen und mit Blei gedeckt. Derselbe muss bereits vor 1184 vollendet gewesen sein. Das Kloster zu WeihSt. Peter blieb dem Kloster St. Jakob unterworfen, bis es i. J. 1552 durch den kaiserl. Befehlshaber Grafen v. tberstein aus fortifikatorischen Rücksichten zerstört wurde. Unter Papst Innocenz wurden die 12 Schottenklöster Deutschlands in eine Congregation vereinigt, und der Abt von St. Jakob zu deren Präses bestimmt. Ihre Regel war die des hl. Benedikt.

Das hiesige Schottenkloster begab sich 1700 ganz unter bayrischen Schutz: i. J. 1718 wurde mit demselben ein Seminar verbunden, zur Heranbildung junger Schotten zu Priestern und Missionären für ihr Vaterland,
Während alle übrigen Schottenklöster nach und nach eingingen oder säkularisirt wurden, hat sich das Kloster zu St. Jakob bis in die allerneueste Zeit erhalten, bis es eines natürlichen Todes starb. Die veränderten religiösen Verhältnisse in der Heimath ermöglichten es den jungen schottischen Katholiken, sich zu Hause auszubilden, und dem Kloster dahier mangelten Geistliche und Zöglinge. Es wurde daher i. J. 1862 durch den Papst säkularisirt und dem Bisthum Regensburg übergeben. Das Klostergebäude wird nun erweitert und soll in Zukunft das Klerikalseminar aufnehmen. Leider hat die kostbare Bibliothek noch in der Neuzeit manche ihrer Schätze verloren, so namentlich ein Gebetbuch der unglücklichen Königin Maria Stuart, eigenhändige Manuscripte von Marianus Scotus u. s. w. Ein lebensgrosses Porträt von Maria Stuart hat sich noch in einem Saale des Klosters erhalten.
Die Kirche ist eine hochstrebende Säulenbasilika mit kassetirter Decke des Mittelschiffes, während die Seitenschiffe Kreuzgewölbe haben; sie schliesst im Osten mit drei Absiden und zwei älteren einfachen Thürmen. Chor und Kreuzschiff, dann die Emporen im Westen sind gewölbt bereits mit späteren Motiven. Die unverjüngten Rundsäulen haben am Sockel das Eckblatt oder Thierköpfe, in den Capitälern Gestalten von Vögeln, Ungethümen, Köpfen, Knöpfen, Trauben, Eichenblättern und Bandverschlingungen.
Der Bau hat zwei Portale. Während das südliche einfach durch Zickzackbogen gebildet ist, zeichnet sich das Nordportal vor allen andern jener Zeit durch Bilderreichthum aus. Das Portal selbst hat auf jeder Seite drei Säulen mit tippigem Schmucke zwischen Akanthusblättern, Weinlaub, Waizenähren und dem Patrizblatte wechselnd. Oben sind sie durch Rundbogenstäbe, welche ihr Gesims bilden, verbunden. Auf diesem ruhen östlich 5 Löwinen und westlich 5 Löwen, das Tympanon umgebend, in welchem Christus zwischen den Patronen der Kirche, St. Jacob und St. Johannes dem Täufer, thront. Oberhalb des Portales sind 13 Figuren, Christus mit den 12 Aposteln, worunter die zwei Kirchenpatronen durch Grösse hervorragen. Die Apostel sind paarweise, wie sie Christus zur Predigt des Evangeliums aussendet. Ein grosser Theil der Wand zu beiden Seiten des Portales ist mit symbolischen Figuren bedeckt, welche dasselbe zu einem der reichsten und interessantesten Deutschlands machen. Besonders ist auf die drei Männer mit Tonsur und Buch hinzuweisen; es sind offenbar schottische Missionäre in denselben dargestellt. Ueber die Bedeutung des Ganzen ist schon viel geschrieben worden, ohne dass jedoch eine ganz erschöpfende Auslegung bisher gelungen wäre.^ Soviel steht fest, dass wir hier nicht sinnlose Spielerei des Steinmetzen,
l sondern den Ausdruck eines Gedankens vor uns haben, und zwar ohne Zweifel die Geschichte der Erlösung durch Christus.
Was nun die Erklärung betrifft, so geht die eine Ansicht dahin, dass hier der Inhalt der christlichen Heilspredigt in symbolischen Bildern ausgeprägt ist, während andere nur Gestalten der nordisch-germanischen Mythologie erblicken wollen, durch welche der Sieg des Christenthums über das Heidenthum dargestellt wird.*)
NB. An der Kirche in Göcking bei Neustadt a. d. Donau, welche dem Schottenkloster in Regensburg gehörte, findet man ähnliche dccorative Bildwerke.
Der nördliche Thurm wurde wegen Baufälligkeit im J. 1867 abgetragen und wieder neu erbaut.
Im Innern der Kirche ist noch besonders die romanische Kreuz gruppe aus dem 12. Jahrhundert auf dem Hochaltare zu beachten.
Beim Nordportale ist ein Mönch mit einem Riegel in der Hand auf einer Sandsteinplatte abgebildet und so eingemauert, dass er in liegender Stellung erscheint. Die Sage will daraus den Sacristan machen, welchen der Tod beim Verschliessen der Thüre plötzlich ereilte.
Die alten Epithaphien wurden bei einer Restaur; tion im vorigen Jahrhundert grösstentheils entfernt, daher meist nur neuere von hervorragenden und gelehrten Männern des Klosters vorhanden sind.
Besonders beachtenswerth sind an dieser Kirche die Steinmetzzeicheu, deren in der Regel jeder Quader eines trägt. Sie gehören zu den ersten Stein metzzeichen in Bayern, und bestehen meist aus einfachen Buchstaben oder Linien.
Der Kreuzgang, der eben restaurirt wurde, schliesst sich im Süden an die Kirche an; von dem alten romanischen Kreuzgange ist ein einziges Gewölbe vor dem südlichen Kirchenportale erhalten. Hieran schliesst sich die östliche Halle mit gothischen Gewölben, und Wappen in den Schlusssteinen. Die übrigen Hallen sind späteren Ursprungs.
Eine reich verzierte Säule und andere Fragmente geben noch Zeugniss von der Pracht des früheren romanischen Baues. Hier hatten die Herrn von Lab er ihr Begräbniss; noch gibt ihr Wappen östlich am Südportal hievon Zeugniss; ihre Grabsteine sind verschwunden.
Das Frauenkloster zum bl. Kreuz ist das einzige*) Kloster im ausserösterreichischen Deutschland, welches seit seiner Stiftung noch fort
*) Weitere Ausführung dieser Erklärungen siehe bei Jacob a. a. 0. p. 22; — Niedcrmayr, Künstler und Kunstwerke in Regensburg p. 102; — Sigharta. a. 0. pag. 189. — Pan zer, Deutsche Mythologie II. 308. — Quitzmann „die Religion der Baiwaren", p. 208.
**) Das Kloster zu St. Klara besteht zwar auch noch, allein da die Klostergebäude 1809 verbrannten, musste es übersiedeln und neue Gebäude beziehen.

1869 - Dominikanerkirche - in Regensburg in seiner Vergangenheit und Gegenwart: mit vielen Holzschnitten ... - Hugo von Walderdorff - Google Books

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15. Die Dominikanerkirche. *)
Schon wenige Jahre nach der Gründung des Dominikanerordens waren einige Brüder desselben nach Regensburg gekommen etwa i. J. 1218 oder 1219. Aber erst ein Dezennium später scheinen sie eine eigene Kirche erhalten zu haben, denn erst 1229 finden wir, dass ihnen Bischof Siegfried die Kirche des hl. Blasius mit dem anliegenden Hause und den dazugehörigen Gründen übergibt. Da die Brüder hiezu noch weitere Grundstücke erwarben, waren sie bald in den Stand gesetzt, ein Kloster zu erbauen. Mit der Zeit genügte auch die alte, noch dazu baufällige Kirche nicht mehr. Seitdem nämlich Albert der Grosse in den Jahren
*) Vergleiche auch: ,,Andr. Niedermayer: Die Dominikanerkirche in Regensburg" in Verhandl. des bist. Vereins von Oberpfalz u. Regensburg XXV111. (1858).
| 1258—1259 hier gelehrt und gepredigt hatte, steigerte sich die Zahl der Zuhörer dermassen, dass die alten Räume die Gläubigen nicht mehr fassen konnten. Es wurde daher fortgefahren, anliegende Gebäude zu erwerben, um eine neue Kirche erbauen zu können. Albert, welcher inzwischen 1260 bis 1262 hier Bischof gewesen war, ehe er diese Würde in Cöln bekleidete, ertheilte im Jahre 1267 der Kirche zu St. Blasius selbst einen Ablass, wohl um die Gläubigen zu frommen Gaben für den bevorstehenden Kirchenbau zu ermuntern. Endlich im Jahre 1273 konnte derselbe beginnen, uud bereits in 4 Jahren (1277) war er vollendet; in dieser kurzen Zeit war es gelungen, den herrlichen Tempel aufzubauen. Einer der grössten Wohlthäter des Klosters und hauptsächlichsten Beförderer des Baues war zu jenen Zeiten der edle Ulrich' Truchsess von Eckmühl, der auch in der Kirche seine letzte Ruhestätte fand.

1869 - Emmeram - in Regensburg in seiner Vergangenheit und Gegenwart: mit vielen Holzschnitten ... - Hugo von Walderdorff - Google Books

Regensburg in seiner Vergangenheit und Gegenwart: mit vielen Holzschnitten ... - Hugo von Walderdorff - Google Books Walderdorff 1869 S. 78 ff

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1869 - Obermuenster - in Walderdorff, 1869

Vorbemerkung: Obermünster wurde 1943 bei einem Bombenangriff weitgehend zerstört. Die Schilderung von Walderdorff aus dem Jahre 1869 ist deshalb um so interessanter.

Regensburg in seiner Vergangenheit und Gegenwart: mit vielen Holzschnitten und 2 Plänen (Google eBook) von Hugo von Walderdorff, 1869






 S. 71 ff
12. Obermünster.
Unmittelbar an Mittelmünster schliesst sich westlich das ehemalige reichsunmittelbare Damenstift Obermünster an; es gehört zu den ältesten Stiftungen in Regensburg und mag auch schon zu den Zeiten der Agilolfinger bestanden haben, denn bereits König Ludwig der Deutsche tauschte im Jahre 833 vom Bischofe Baturich diese Abtei gegen Mondsee ein und übergab sie seiner Gemahlin, der Königin Hemma, wodurch die Reichsunmittelbarkeit des Stiftes begründet wurde. Die heilige Königin Hemma wird daher auch als Stifterin verehrt. Durch Kaiser Heinrich II. den Heiligen wurde 1010 die Kirche von Grund aus neu erbaut und mit dem Gute Salach (bei Geiselhöring) beschenkt; der Neubau brannte jedoch im Jahre 1020 ab, wurde aber vom Kaiser sofort wieder hergestellt. Dass Obermünster bei dem allgemeinen Brande von 1152 sehr viel gelitten, wie die Chronisten behaupten, scheint nicht ganz begründet zu sein, da ein grosser Theil der Kirche noch aus den Zeiten Kaiser Heinrich's herrühren dürfte.
Als Kaiser Konrad II. im Jahre 1029 die Schenkung von Salach bestätigte, liess er dem Kloster als Zeichen seiner Huld seinen Scepter zurück, welcher fortan von demselben im Wappen geführt wurde.
Die Nonnen lebten anfänglich nach der Regel des hl. Benedikt, im 15. Jahrhundert wurde aber das Stift gleich Niedermünster ein weltliches adeliges Damenstift und verblieb es, bis es im Jahre 1803 aufgehoben und mit dem damaligen Fürstenthum Regensburg verbunden wurde.
Gegenwärtig dient Obermünster als bischöfliches Clerikalseminar.
Nro. II
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Die Kirche ist dreischiffig mit 2 Chorabsiden, einem Kreuzschiffe vor dem "Westchore, einer cassetirten Flachdecke über dem mehr breiten als hohen Schiffe und hat Viereckspfeiler, welche blos eine Kehlung und Platte als Kämpfer, eine Schmiege als Sockel zeigen. Da die Kirche in den Seitenschiffen und im Westchore mancherlei Veränderungen erfuhr, so lässt sich von sonstigen Details wenig mehr erkennen. Erst in den Jahren 1683—J719 unter der Abtissin Maria Theresia von Sandizell wurde der Ostchor erbaut und der Hochaltar in den Westchor verlegt.
Bei einer Restauration im Jahre 1856 kamen in der östlichen Absis Fresken von höchstem Interesse, wohl noch in das 12. Jahrhundert gehörig, zum Vorschein. Viele zierliche Ornamentalformen, die aus verschiedenfarbigen Bändern, au 3 dem Rundbogenfries und aus Medaillen mit Spruchbandengeln bestehen, war ein grossartiges Gemälde angebracht, wahrscheinlich das jüngste Gericht darstellend. Es sind aber nur mehr 17 Personen zu erkennen. Wir sehen hier die Auserwählten vor uns, an der Spitze einen Papst mit der Tiara in ältester Form, dann Bischöfe, Mönche und einen König im Schuppenrocke. Auf der entgegengesetzten Seite sieht man Personen, die von Teufeln ergriffen werden; in der Mitte eine Jungfrau mit gesenkten Händen, vielleicht die fürbittende Gottesmutter.
Eine Restauration im Jahre 1462 hatte bereits manches geändert.
Das nördliche Seitenschiff endet im Osten ebenfalls mit einer Absis. Es ist dies die Grabkapelle des seligen Schotten Mer eher dach (f 1080), in welcher er wenigstens 30 Jahre als Inclusus lebte. Die Inclusen hatten ihre eigene Regel, nach welcher sie in kleinen Zellen unmittelbar an Kirchen ihr Leben mit Beten und Fasten zubrachten; die Zelle hatte keine Thüre, sondern nur 3 Fenster, das Eine gegen die Kirche, das andere auf der entgegengesetzten Seite, wo ihnen die Nahrung gereicht wurde, endlich durch das • dritte wurde die Zelle erhellt; in diesem Raume verblieben sie bis zu ihrem Tode. Mercherdach's Grabstein ist an der nördlichen Wand aufgestellt und zeigt einen bärtigen Pilger mit einem Heiligenscheine und mit einem Wanderstab in der Hand. Oben ist mit Initialen „S. Mercherdach" eingegraben. Das Bildniss besteht nur aus grob eingravirten Strichen. Die Reliquien wurden im Jahre 1707 erhoben und kamen unter den Altar der Capelle; nachdem man sie seit längerer Zeit vermisst hatte, wurden sie in neuerer Zeit wieder aufgefunden. Auch in dieser Capelle sind alte Wandgemälde aus dem 13. Jahrhundert in der Absis gefunden worden; es ist eine Darstellung des Pfingstfestes.*) Maria sitzt mit erhobeuen Händen in der Mitte, die Apostel sind in Bewegung zu ihren Seiten, während der heilige Geist als schwebende Taube leuchtende Strahlen herabsendet. —
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Eine grosse Zahl von Grabmälern ist in dieser Kirche angebracht
Das Grab der Königin Hemma ist mit den Worten bezeichnet „Grabstätte der seligen Königin Hemma gestorben den 7. Februar 876." Ein rother Marmorsteiu aus später Zeit, der früher auf dem Grabe lag, ist jetzt an der Wand angebracht. ,
Auch Herzog Heinrich I. von Bayern, Kaiser Otto's I. Bruder, ist hier begraben. (?)
Sehr zierlich ist das Grabmal der Abtissin Barbara von Sandizell (f 1564), aus rothem Marmor.
Sehenswerth sind auch die Denkmale der Abtissinen Barbara von Absberg, Kunigunde von Egloffstein, Sibylla von Paulstorff, Katharina von Redwitz u. s. w.
Ein grosses Kunstwerk im Renaissance-Geschmack (1534 —1540) aus Kelheimer Marmor, ist der Altar zu U. L. Frau, im Nordschiffe, welchen die Abtissin Wandula von Schaumberg stiftete. Das Mittelstück zeigt den Tod Maria; die sieben Freuden Maria füllen die andern Felder.
In der Vorhalle im Norden bewundern wir ein Portal im frühgothischen Uebergangsstyle. Auch hier sind zahlreiche Denkmäler.
1) Das Interessanteste ist die Tumba des Matthaeus (f 1407) und der Margaretha (f 1410) Ranftinger, aus dem ersten Jahrzehen t des 15. Jahrhunderts, in rothem Marmor.
2) Ein Oelberg aus dem Ende des 15. Jahrhunderts, ist mit dem Wappen der Streitberg, (?), einer Sichel, geziert.
3) Eine Darstellung des Todes U. L. Frau, auf einer Steintafel, ist gut ausgeführt.
4) Das Denkmal der Abtissin Dorothea von Dobeneck (f 1623), ist ein geschmackvolles Werk der Renaissance.
Alle Denkmale zu besprechen, gestattet der Raum nicht.
Der massive Thurm steht nördlich ohne Verbindung mit der Kirche; in seinen unteren Theilen besteht er grösstentheils aus Quadern der alten Stadtmauern, und ist viel älter als der obere Theil aus Bruchsteinen, der dem 12. Jahrhundert anzugehören scheint. An seiner Westseite hängt ein romanisches Krucifix von Holz, dem ein besserer Standort zu wünschen wäre.
Die ehemalige Pfarrkirche zu St. Dionys besteht nicht mehr; sie stand da, wo jetzt der nördliche Flügel des Wohngebäudes erbaut ist.

Mittwoch, 2. Oktober 2013

Reichsabschied – Wikipedia

Reichsabschied – Wikipedia

Reichsabschied

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Als Reichsabschied, auch Reichsrezess genannt, wird die Gesamtheit der auf einem Reichstag des Heiligen Römischen Reich beratenen und erlassenen Bestimmungen bezeichnet, die der Kaiser am Ende zu verlesen hatte.
Bis zum Jahre 1654 begannen die Reichstage – neben zeremoniellen Akten – mit der Verlesung der kaiserlichen Proposition, der vom Kaiser vorab festgelegten Tagesordnung, und sie endeten mit Verlesung und Beurkundung der Beschlüsse, dem Reichsabschied.
Der letzte dieser Reichsabschiede ist als Jüngster Reichsabschied (recessus imperii novissimus) bezeichnet und enthielt die Beratungsergebnisse aus den Jahren 1653/54 des Reichstages zu Regensburg.
Da der Immerwährende Reichstag seit 1663 nicht mehr formell beendet wurde, konnten seine Beschlüsse auch nicht als Reichsabschied erarbeitet werden. Die Beschlüsse wurden deshalb in Form sogenannter Reichsschlüsse niedergelegt. Die Ratifizierung dieser Beschlüsse wurde meist durch den Vertreter des Kaisers beim Reichstag, dem Prinzipalkommissar, in Form eines Kaiserlichen Commissions-Decrets durchgeführt.

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